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Die Geschichte



Der Beginn des Flugbetriebs mit Motorflugzeugen geht in Braunschweig ins Jahr 1910 zurück. Damals landete eine "Wright Flyer A" auf dem großen Exerzierplatz, nachdem sich schon seit mehr als 100 Jahren der Ballon- und Luftschiffsport entwickelte. 1916 einigten sich das Herzogtum sowie die Stadt Braunschweig, an der Straße nach Broitzem einen Flugplatz zu bauen. Er wurde von 1917 vor allem militärisch genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flughafen von der zivilen Luftfahrt übernommen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kaufte das Reichsluftfahrtministerium der Stadt den Flughafen Braunschweig als Standort für die Ausbildung von Luftwaffenpiloten ab. Zur zivilen Nutzung wurde ein neuer Flughafen im Norden der Stadt gebaut. Die Wahl fiel wegen idealer Boden- (damals wurde auf Grasbahnen gestartet und gelandet) sowie Wetterbedingungen auf den Norden der Stadt, auf den heutigen Standort des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg.

Mit der Gründung Flughafengesellschaft Braunschweig-Waggum begannen 1934 Planung und Bau des neuen Flughafens. Schon ein Jahr später, im September 1935, erfolgte die Erstlandung, im Mai des folgenden Jahres die offizielle Eröffnung. Schon von Beginn an war der Flughafen auch Forschungsstandort. 1936 erfolgte der Ausbau der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) Instituts- und Hörsaalgebäuden. Es war die Vorgängerin des heutigen Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Als Infrastruktureinrichtungen standen ein zentrales Abfertigungsgebäude, die Flugschule des Deutschen Luftsportverbandes, Reparaturwerkstätten, Flugzeughallen sowie die Segelfliegerschule mitsamt Gelände zur Verfügung. Zur Segelflugausbildung dienten auch die Anlagen auf dem Schäferstuhl in Salzgitter, dem Heeseberg bei Jerxheim sowie dem Höhenzug Ith bei Eschershausen. Sie gehörten ebenfalls zum Flughafen Braunschweig-Waggum.

Mit der Einbindung ins Streckennetz der Deutschen Lufthansa - es gab u. a. Direktflüge nach Berlin, Halle und Hannover sowie Umsteigeverbindungen nach Dresden, Münster, München und Nürnberg - erhielt der Flugverkehr rasch Auftrieb, der jedoch durch den Zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende fand. Im Norden der Start- und Landebahn zwischen Bienrode und Waggum entstanden Flugzeugwerke für den Nachschub an Militärflugzeugen. Im Jahr 1953 nahm die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt als Nachfolgerin der DFL ihre Forschungsarbeiten wieder auf. Mit dem Flugbetrieb konnte nach Freigabe durch die Alliierten erst 1955 begonnen werden. Im selben Jahr zog das Luftfahrtbundesamt (LBA) in das Hauptgebäude ein. Hauptsächliche Nutzer des Flughafens waren damals Flugsportvereine und die akademische Fliegergruppe (Akaflieg) der Technischen Universität Braunschweig.

Durch seine Nähe zur Grenze der ehemaligen DDR fiel dem Flughafen eine Sonderstellung im Bereich der Sport- und Segelfliegerei zu. Viele West-Berliner, die in der geteilten Stadt nicht fliegen durften, wichen auf den Flughafen Braunschweig aus, der aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage an der damaligen Transitautobahn günstige Nutzungsmöglichkeiten bot.   Nach dem Bau einer Asphalt-Landebahn im Jahre 1967 konnten auch schwerere Flugzeuge Braunschweig anfliegen. Dieses kam auch der Volkswagen AG zugute, die ihre konzerneigene Flugzeugflotte nun in unmittelbarer Nähe zum Hauptfirmensitz in Wolfsburg stationieren konnte.

Mitte der 1980er Jahre wurde der Flughafen für den eingeschränkten Instrumentenflugbetrieb zugelassen. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1989 diente er in erster Linie als Verkehrsflughafen für den kommerziellen Verkehr des Wirtschaftsraums sowie als Start- und Landebahn für Behörden, die Forschungsflüge des DLR sowie der Institute der Technischen Universität Braunschweig.

Anfang 2010 wurden die Aufträge für die Verlängerung der Start- und Landebahn auf 2300 Meter sowie für die Verbreiterung von 30 auf 45 Meter vergeben. Gleichzeitig wurden die Rollwege verbreitert und das Vorfeld um mehr als 50 Prozent vergrößert. Im August 2010 waren die Tiefbauarbeiten abgeschlossen worden.

Zum Ende des vergangenen Jahres (2017) erhielt der Flughafen, neben Hannover einer von zwei Verkehrsflughäfen in Niedersachsen, nach einem aufwändigen Verfahren die Zertifizierung der Europäischen Luftfahrtbehörde (EASA). Mit ihr wird dokumentiert, dass höchste Sicherheitsstandards, die nun für alle Flughäfen in der europäischen Union gleich sind, eingehalten werden.

Bei Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen rund um den Flughafen sind inzwischen mehr als 2800 Menschen beschäftigt.

Betreiberin ist die Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH. Ihre Hauptgesellschafter sind die Stadt Braunschweig (42,6 %), die Stadt Wolfsburg (17,8%), eigene Anteile (35,6%) und die Landkreise Gifhorn und Helmstedt (je 2%).

Informationen zum Thema "Braunschweigische Luftfahrtgeschichte" erhalten Sie auf den Seiten des Arbeitskreises Braunschweiger Luftfahrtgeschichte e.V.